Durch die Nacht mit …

Oskar Roehler und Lars Eidinger

Produktion: avanti media plus
Regie: Hasko Baumann und Edda Baumann-von Broen
Jahr: 2018
Dauer: 52 Minuten

Zwei Enfants terribles, die in ihrer Arbeit furchtlos sind, ziehen durch die Berliner Nacht und testen die Grenzen des politisch Korrekten aus. Zwischen dem umjubelten Schaubühnenstar und Filmschauspieler Lars Eidinger und dem kontroversen Regisseur und Schriftsteller Oskar Roehler entspinnt sich ein lebhafter, von Bewunderung und Irritationen geprägter Austausch über politische Verantwortung und die eigene künstlerische Identitätsfindung.

Begegnet sind sie sich vor zwei Jahren, als der Regisseur den Schauspieler für ein Casting zu seinem geplanten Fassbinder-Film eingeladen hatte. Laut Eidinger war es „Liebe auf den ersten Blick“. Roehler, der wortgewandte Intellektuelle und einsame Wolf, Eidinger, der instinktive Bauchmensch, der seit 1999 Ensemblemitglied der Berliner Schaubühne ist, beide rastlos in ihrer Kreativität, multitalentiert – ein Abend unter Gleichbegabten, Gleichgesinnten. Denkt man. Doch der Abend wird zur Herausforderung. Es geht einen Riss durch die deutsche Gesellschaft, der auch und gerade vor der deutschen Kulturlandschaft nicht haltmacht. Er sei eher rechts, wirft der genialische Regisseur und Autor früh an diesem Abend in den Raum. Eidinger zeigt sich irritiert, bohrt aber nach.

Auf dem Weg zum „Diener Tattersall“, einst Stammlokal von Rainer Werner Fassbinder, weitet sich die politische Diskussion aus. Eidinger will seinen Reichtum teilen, Roehler kontert: „Du teilst als Künstler doch schon genug. “ Beim Bratwürstchen und Sülze nähern sich die beiden wieder an. Man sollte immer fragen, wo der andere herkommt, mahnt Roehler an, „nicht nur den syrischen Flüchtling.“

Im Atelier des Videokünstlers John Bock sprechen sie ausgelassen über künstlerische Einflüsse und Regisseure, die sie lieben. Roehler und Bock entdecken die gemeinsame Liebe für das Abgründige und beschließen, „American Psycho“ neu zu verfilmen, bevor der Abend sich in einer Billardkneipe zuspitzt: Hier wartet der ehemalige Burgschauspieler Oliver Masucci, der zuletzt im Film „Er ist wieder da“ Adolf Hitler gespielt hat und Eidinger nicht nur politisch herausfordert.