Durch die Nacht mit …

Dmitry Glukhovsky und Kamila Shamsie

Produktion: avanti media plus
Regie: Edda Baumann-von Broen
Jahr: 2018
Dauer: 52 Minuten

Zwei politisch meinungsstarke Autoren treffen sich anlässlich des 70-jährigen Jubiläums der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte für einen nächtlichen Streifzug in Deutschlands internationalster Metropole Frankfurt. Der russische Science-Fiction-Autor und polyglotte Kremlkritiker Dmitry Glukhovsky und die preisgekrönte pakistanisch-britische Schriftstellerin Kamila Shamsie diskutieren über die globalen Fragen der Gegenwart. Ein tiefgängiger und zugleich rasanter Abend, der die Erfahrungen kritischer Künstler in einem Klima zunehmend antidemokratischer Tendenzen unmittelbar erlebbar macht.

Der Abend beginnt mit einem Besuch der 70. Frankfurter Buchmesse, die das Jubiläum der Menschrechtscharta zum übergreifenden Thema gemacht hat. Als Institution für Meinungsfreiheit und internationalen Dialog wird sie zur idealen Kulisse für diese Nacht im Spannungsfeld von politischem Zeitgeschehen und Literatur. Die politische Haltung von Glukhovsky (Metro 2033, Text) und Shamsie (Hausbrand) sind eng mit ihrem Schriftwerk verzahnt: So sind der global zunehmende Rechtsruck, Grauzonen für künstlerische Freiheiten in autokratisch geführten Demokratien und der Umgang mit Überwachung die zentralen Themen ihrer Begegnung.

Im Verlauf des Abends spielen die beiden das Ego-Shooter-Spiel „Metro – Last Light“, das auf Glukhovskys international erfolgreichem „Metro“-Universum beruht. Die Charaktere des postsowjetischen Spiels trauern der alten Sowjetunion hinterher. Diese Nostalgie früherer Imperien benennen beide Schriftsteller als Hauptursache aktueller Autonomie- und Autokratiebestrebungen.

Im Anschluss treffen sie die auf künstliche Intelligenz spezialisierte Rechtsanwältin Claudia Otto, mit der sie gemeinsam feststellen, dass Glukhosky langsamer Science-Fiction schreibt, als sie von Tech-Konzernen real produziert wird. Aber sich davon einschüchtern lassen?

Shamsie betont, dass sie in Pakistan nie politische Einschüchterung erlebt habe, da sie ihre Werke in Englisch verfasst. „Es sind die Journalisten, die Schwierigkeiten bekommen.“ Beim Treffen mit der inzwischen im deutschen Exil lebenden türkischen Autorin und Physikerin Aslı Erdoğan erfahren sie konkret, wie sich das anfühlt. Sie verbrachte 17 Monate im Gefängnis und wurde zur Symbolfigur für Meinungsfreiheit und das Ausmaß der türkischen Willkürherrschaft.

Freie Meinungsäußerung, das verdeutlicht dieser Abend, ist ein akut schützenswertes Menschenrecht.